SSVE-U15-Mädels erkämpfen Platz 5 bei der Deutschen Meisterschaft

14. November 2017

Zum allerersten Mal überhaupt hat am vergangenen Wochenende eine weibliche U15 des SSV Esslingen an der Endrunde einer Deutschen Meisterschaft teilgenommen und man durfte gespannt sein, ob es dem jungen Team von Trainerin Iris Schneider gelingen würde, bei einem Turnier auf dieser allerhöchsten nationalen Ebene mitzuhalten, ohne im wahrsten Sinne des Wortes „unterzugehen“. Schließlich gibt es die Mannschaft erst seit genau einem Jahr und trat sie außerdem nicht nur als die „neueste“, sondern mit einem Altersschnitt zwischen jüngerem U15- und älterem U13-Jahrgang auch als das jüngste Team an bei dem Turnier im Chemnitzer Sportforum. Und immerhin waren unter den Gegnern ausschließlich klangvolle Namen etablierter Mädchen-Mannschaften: SC Chemnitz, ETV Hamburg, Hamburger TB, SV BW Bochum und SV Bayer 08 Uerdingen.

Die SSVE-Mädchen machten solche eventuellen Bedenken jedoch von Anfang an zunichte. Mit einem couragierten Auftritt, ungeheurer Einsatzbereitschaft und dem unbedingten Willen, zu zeigen, wie viel sich da in diesem einen Jahr an taktischer und technischer Qualität, Fitness und nicht zuletzt Erfahrung getan hat, erwiesen sie sich schnell als am richtigen Ort. Auch wenn sie am Ende vier Mal als Verlierer aus dem Becken stiegen, beseitigten sie doch spätestens mit einem hart erkämpften, aber verdienten Sieg über den Hamburger TB dann auch die letzten Zweifel, ob die SSVE-Mädels tatsächlich schon nach einem Jahr reif sind für eine Deutsche Meisterschaft. Mit ihrem soliden 5. Platz bei dieser Premiere sind die SSVE-Mädels endgültig vom „No Name“ des Mädchen-Wasserballs zu einer Größe geworden, mit der man künftig rechnen wird.

Der SSVE eröffnete mit der Partie gegen Chemnitz am Freitagabend das Turnier. Dass in diesem Spiel kaum etwas zu holen sein würde, war allen Beteiligten klar. Schließlich haben auch die starken Mädchenteams aus ganz Deutschland gegen die sächsischen Mädchen, die von der Bundestrainerin Anja Skibba trainiert werden und die Vorzüge eines Sportinternats genießen, keine Chance auf einen Sieg. So gab dieses Spiel den Mädchen vom Neckar, die als einziges Team bei diesem wichtigsten Turnier des Jahres den Süddeutschen Schwimmverband vertraten, die Gelegenheit, sich in den Turniermodus einzufinden, und der Trainerin Möglichkeiten zur strategischen Feinjustierung für die folgenden Spiele. Als Ziel für das Match hatte sich die Mannschaft gesetzt, den Chemnitzerinnen keinen Sieg „zu Null“ zu gönnen. Lange Zeit sah es allerdings nicht so aus, als ob das gelingen würde. Obwohl an der Moral der Esslingerinnen nichts auszusetzen war und sich niemand schonte, kassierten sie ein Tor nach dem anderen. Dabei zeigte die SCC-Trainerin wie schon bei den Heimspielen der vergangenen NRW-Runde auf der Esslinger Neckarinsel Sportsgeist und setzte keineswegs in erster Linie auf ihre stärksten Spielerinnen. Dann aber gelang Lara Schneider ganz am Ende der dritten Viertelzeit doch noch das Tor, das zwar bei einem Stand von 22:1 kaum noch als „Anschlusstreffer“ bezeichnet werden kann, dem Selbstbewusstsein der SSVE-Mädchen aber dennoch mehr als gut tat. Trotzdem blieb es bei diesem einen zählbaren Erfolg und die Partie endete mit einem klaren 27:1 – allerdings gelangen dem SCC im weiteren Turnierverlauf erwartungsgemäß ähnlich hohe Siege auch gegen andere Teams.

Dem aufmerksamen Zuschauer jedoch war schon in diesem Chemnitz-Spiel nicht entgangen, dass die Mannschaft von Iris Schneider keineswegs bereit sein würde, eines der Spiele vor dem Abpfiff verloren zu geben. Da wurde kein Ball kampflos den weit überlegenen Gegnerinnen überlassen und da wurden die taktischen Vorgaben im Laufe des Spiels immer häufiger erfolgreich umgesetzt. Und so startete man am Samstagvormittag mit ungebrochenem Selbstbewusstsein in die Begegnung mit dem Hamburger TB, die sich schnell als das nervenaufreibende Spiel herausstellte, von dem Turniere wie dieses eigentlich leben. Schnell gingen die Esslingerinnen mit zwei Toren in Führung. So einfach wollten es die Hamburger dem SSVE dann aber doch nicht machen und so stand es am Ende der ersten Viertelzeit schon 3:3. Es gehört zu den beeindruckenden Leistungen, die diese junge Mannschaft im Turnier erbracht hat, dass sie sich von dieser Hamburger Aufholjagd aber nicht hat aus der Ruhe bringen lassen, nachlegte und schließlich mit einem zwei Tore-Vorsprung (6:4) in die Halbzeitpause ging. Und es beweist, auf welchem konditionellen Niveau sich das Team auch in einem solchen Vergleich befindet, und wie entschlossen es ans Werk ging, dass es diesen Vorsprung schließlich in einer durchgängig engen Begegnung bis zum Schlusspfiff retten konnte und damit die Partie 8:6 für sich entschied. Mit diesem Erfolg im Rücken gingen die Mädchen in eine längere Spielpause, die Gelegenheit zum ausruhen und einem kleinen Spaziergang durch Chemnitz gab.

Am recht späten Abend, zum letzten Spiel des Turniertags, ging es dann gegen den späteren Zweitplatzierten Bayer Uerdingen, der außer dem Spiel gegen Chemnitz alle seine Spiele gewinnen konnte.  So erwies sich erwartungsgemäß auch in dieser Partie der Erfahrungsunterschied als zu groß, als dass die Esslingerinnen hier hätten nennenswert punkten können. Der auch im Vergleich zu den anderen Mannschaften sehr körperlichen Spielweise des Uerdinger Teams hatten sie wenig entgegenzusetzen und dennoch: Auch diese Partie wurde zu keinem Zeitpunkt aufgegeben und so belohnte sich der SSVE im 3. Viertel dann doch noch mit gleich 2 Toren. Bei denen aber blieb es (Endstand 19:2).

Nach einer sehr kurzen Nacht stand dann mit SV BW Bochum am frühen Sonntagmorgen der dritte Medaillenaspirant an. Man hätte es der jungen Esslinger Mannschaft nicht übelnehmen können, wenn sie nach dem harten und frustrierenden Kampf vom Vorabend – zu dessen Resultaten eine verletzt nicht mehr einsetzbare SSVE-Spielerin gehörte – verzagt in dieses Spiel gegangen wäre. Doch das ist ganz eindeutig nicht die Mentalität der SSVE-Mädels. Und so konnte man direkt nach Anpfiff erst einmal sogar in Führung gehen und verteidigte dann so hartnäckig gegen die breit aufgestellten und erfahrenen Bochumerinnen, dass diesen bis zur Mitte der zweiten Hälfte nicht ein Treffer aus dem Spiel heraus gelang. Dass es zu diesem Zeitpunkt kurioserweise dennoch 4:1 für den SV BW Bochum stand, war Ausdruck eben dieses taktischen Erfahrungsunterschieds (und vielleicht auch einer zwischen den Spielen nicht immer ganz transparenten Schiedsrichter-Linie), der die Mädels vom Neckar in so manche Falle tappen ließ und – nur in diesem Spiel – zu einer ganz ungewöhnlich hohen Zahl von Strafwürfen führte. Ansonsten zeigte sich gerade hier, unabhängig vom Ergebnis (16:7 für Bochum), wie gut der SSVE mittlerweile über weite Strecken auch absoluten Top-Mannschaften Paroli bieten kann. Und man kann dem aufmerksamen jungen Team regelrecht beim Lernen zusehen, so dass solche Spiele den zur Zeit noch entscheidenden Erfahrungsunterschied zugleich immer kleiner werden lassen.

Mit dem ETV Hamburg stand zum Abschluss des Turniers für Esslingen am Sonntagmittag noch einmal ein Gegner auf dem Programm, bei dem man sich durchaus etwas ausrechnete. Schließlich haben die SSVE-Mädchen beim Besuch der Hamburger im Esslinger Vereinsbad im Juli, wo die beiden Begegnungen der NRW-Runde ausgespielt wurden, beide Spiele für sich entscheiden können. Andererseits hatten den Gästen dort auch zentrale Spielerinnen gefehlt, die nun wieder mit am Start waren, und hatte es beim Pokal in Hamburg auch schon eine (wenn auch unnötige) Niederlage gegen die ETV-Mädchen gegeben. Die Sache versprach also spannend zu werden, zumal beide Teams zu diesem Zeitpunkt jeweils einen Sieg (beide gegen den HTB) auf dem Konto hatten. Und so gingen beide Mannschaften dann auch entschlossen in dieses Spiel und den deutlich besseren Start erwischte der SSVE, obwohl leider mehrere wichtige Spielerinnen ausgerechnet jetzt gesundheitlich mehr oder minder stark beeinträchtigt waren: Wieder ging Esslingen zunächst in Führung und verwehrte mit einer über weite Strecken ausgesprochen soliden und entschlossenen Verteidigung den starken Hamburger Schwimmerinnen sehr lange das erste Gegentor – das dann erst in der vorletzten Minute der zweiten (!) Viertelzeit doch fiel. Dazwischen lagen zahlreiche gute Offensivaktionen des SSVE, die oft auch zum Abschluss kamen, mit einer gehörigen Portion Pech aber das Ziel nicht fanden. Noch sechs Sekunden vor der Halbzeit glaubte man sich beim Blick auf die Tafel bei einem Fußballspiel, stand da doch das wasserballuntypische Resultat von 1:1. Die zweite Halbzeit gehörte dann allerdings ganz den Mädels vom ETV, indem hier der zeitweise Ausfall der angeschlagenen SSVE-Stammspielerinnen seinen Tribut forderte, so dass man sich am Ende dann doch auch in diesem Spiel mit 11:4 geschlagen geben musste. Für ein paar Minuten rückte die Enttäuschung über den verpassten 4. Platz in den Vordergrund, bevor sich der berechtigte Stolz auf die Gesamtleistung jeder einzelnen Spielerin bei diesem Turnier wieder breit machte.

Was bleibt von diesem Turnier? Zunächst einmal die Tatsache, dass man in Wasserballdeutschland spätestens jetzt mit den Mädels vom SSVE rechnet. Die Erkenntnis, dass die Mädchen beim SSVE im Rahmen der Trainings in den gemischten Altersgruppen eine Ausbildung genießen, die zu Resultaten führt, die den Vergleich mit den Topteams des deutschen Mädchenwasserballs in keiner Weise scheuen müssen.  Es bleibt nicht zuletzt auch die Botschaft der wenigen andere Vereine, die sich für hochwertigen Mädchenwasserball engagieren (und damit etwas gegen die für die ganze Sportart auch sportpolitisch enorm kontraproduktive Ausklammerung der halben Menschheit tun), dass sie alle sich über die neue Mädchen-Power aus dem Süden sehr freuen. Mitnehmen konnten Iris Schneider und ihre Mädchen Komplimente der Trainer und Trainerinnen aller etablierten Teams und nicht zuletzt der Bundestrainerin, die einen genauen Blick auf das geworfen hat, was da in nur einem Jahr an Mädchenwasserball aufgebaut wurde in unserer Region. Und es waren keine wohlfeilen Höflichkeitskomplimente, im Gegenteil: Im Vordergrund stand stets der Appell, jetzt nicht nachzulassen, dieses beeindruckende Projekt konsequent fortzuführen und auch systematisch an dem zu arbeiten, was derzeit die Esslinger Mädels noch von denen der Spitzenteams trennt – weil kein Zweifel mehr daran besteht, dass sich das lohnt.

In diesem Sinne danken die Mädchen allen Vereinsverantwortlichen und den Mitgliedern für den Vertrauensvorschuss, den sie ihnen vor einem Jahr gegeben haben und den sicher mancher als Wagnis betrachtet hat. Sie setzen weiter auf konsequentes Fördern und Fordern gerade auch durch das gesamte SSVE-Jugend-Trainerteam, das diese Aufgabe unter nicht ganz einfachen Bedingungen des Mangels an Zeit, Beckenfläche und Trainerkapazitäten stemmen muss. Und sie freuen sich schon jetzt darauf, gleich in drei Wochen schon wieder loslegen zu können. Im Dezember schon sind die ersten Spiele der neuen NRW-Runde und kommt es unter anderem zu einem Wiedersehen mit den Uerdinger und den Bochumer Mädels. Letztere werden dazu zu uns an den Neckar kommen, so dass es bei diesen Heimspielen einmal mehr die Gelegenheit gibt, den heimischen Fans eine Kostprobe der eigenen Fortschritte zu geben.

Und schließlich freuen sie sich immer über Verstärkung durch Mädchen zwischen 10 und 15, die gerne schwimmen, ggf. (aber nicht unbedingt) Erfahrung in Ballsportarten haben und gerne im Team ein Ziel verfolgen. Wer einmal unverbindlich im Training schnuppern will, kann sich jederzeit melden (roth-brenneisen@ssv-esslingen.de).

Für den SSV Esslingen waren im Einsatz:

Katharina Moormann (TW), Lina Roth (K, 8), Maria Patsiavouridou (5), Lara Sardella (Heimatverein VfL Kirchheim, 2), Elena Ludwig, Joanna Dovridis, Georgia Sopiadou (3), Lara Schneider (2), Lea Haidacher (Heimatverein VfvS Stuttgart), Leonie Schneider (Heimatverein PSV Stuttgart, 1), Danielle Kölmel (Heimatverein WF Gemmingen), Maxima Kleisch (1)

Trainerin: Iris Schneider

 

Die Abschlusstabelle, Spielberichte und Fotos zu dem Turnier in Chemnitz hat der SCC auf einer eigenen sehr informativen Website zusammengestellt: http://u15.scc1892.de

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