SSVE geht mit hoher und knapper Niederlage in lange Pause

9. Dezember 2019

Ärgerliche 8:9-Niederlage gegen White Sharks – Klatsche gegen Waspo

Der SSV Esslingen ist auch in den beiden letzten Pflichtspielen des Jahres 2019 punktlos geblieben. Während die Niederlage am Samstag gegen Waspo 98 Hannover eingeplant war, aber mit 27:5 (7:2, 3:3, 8:0, 9:0) vor allem aufgrund einer katastrophalen zweiten Halbzeit viel zu hoch ausfiel, verloren die Esslinger Wasserballer sonntags gegen die White Sharks Hannover nach einer kämpferischen Aufholjagd unglücklich mit 9:8 (4:1, 2:1, 1:3, 2:3).

Mit hängenden Köpfen und frustriert standen die Bundesliga-Wasserballer nach der knappen Ein-Tor-Niederlage gegen die White Sharks Hannover noch lange nach dem Schlusspfiff im Kreis und SSVE-Trainer Heiko Nossek versuchte sein Team wieder aufzurichten, aber die Partie auch ohne um den heißen Brei zu reden einzuordnen. „Das Wochenende ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“, stellt der Neu-Trainer fest, der selbst die beiden Spiele von der Bank aus begleitete und nicht selbst ins Becken des Stadionbades sprang. Dabei musste er auf den verletzten Eric Fernandez Rivas verzichten, einige Jugendspieler sagten aus schulischen Gründen ab, weshalb die angeschlagenen Stammkräfte Marvin Thran und Uros Fabic auf die Zähne beißen mussten. „Unterm Strich bleiben die guten ersten zwei Viertel gegen Waspo und die Gewissheit, dass wir auch mit der nicht-kompletten Mannschaft auf Augenhöhe mit den White Sharks sind. Am Sonntag haben wir uns nach einer abermals schwachen Angangsphase zurückgekämpft und hätten mit einer normalen Schiedsrichterlistung zum Ende noch bessere Chancen zum Sieg gehabt. Klar war es ein Auswärtsspiel, aber gerade die letzten Minuten des Spiels und das Ausschlussverhältnis von 16 zu 9 gegen uns hinterlassen einen faden Beigeschmack.“ In den letzten elf Minuten, als es noch einmal so richtig eng zwischen den beiden Kontrahenten wurde, bekamen die Gastgeber zehn Überzahlspiele von den Unparteiischen zugesprochen, die Esslinger Gäste dagegen nur ein einziges sowie einen Strafwurf. Doch trotz der widrigen Begleitumstände schaffte es das SSVE-Team in dieser Phase von einem 7:4-Rückstand auf 8:8 auszugleichen, ehe sie zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene den letztlich entscheidenden Gegentreffer hinnehmen mussten. Für Kapitän und Co-Trainer Hannes Rothfuß ist die Partie „ein Sinnbild der bisherigen Saison. Wir verschlafen das erste Viertel komplett, rennen dann einem Rückstand hinterher und haben am Ende nicht die nötige Effizienz, um das Spiel noch zu drehen. Wir müssen für die Zukunft auf jeden Fall unser Überzahlspiel verbessern und uns bis zum Schluss an unsere taktischen Vorgaben halten, da wir leider wieder den besten Schützen zum Schluss haben schießen lassen. Nichtsdestotrotz sieht man, dass die Mannschaft intakt ist, wir haben die Substanz und die Moral in solch ein Spiel zurückzukommen. Nur leider belohnen wir uns nicht. Es muss jetzt weiter fleißig trainiert werden, damit wir die engen Spiele dieser Saison in Zukunft für uns entscheiden“, zieht der 29jährige seine Schlüsse.

Das Spiel gegen die White Sharks Hannover begann denkbar schlecht: die Schiedsrichter ahndeten beim Anschwimmen einen Frühstart auf Esslinger Seite und so kamen die Gastgeber kampflos zum ersten Angriff, den sie mit einem Rückraumtreffer zum 1:0 nutzten. In Unterzahl kassierte der SSVE schnell den zweiten Gegentreffer. Valentin Finkes erarbeitete sich in guter Position einen Freiwurf und verwandelte diesen zum 2:1-Anschlusstreffer. Doch in Unterzahl und mit einem direkten Freiwurf musste der SSVE noch vor der ersten Pause zweite weitere Gegentreffer hinnehmen.

Und auch der Start in den zweiten Abschnitt gelang den Sharks besser, in Unterzahl und mit einem Strafwurf erhöhten sie auf 6:1. Es schien auf eine eindeutige Sache hinauszulaufen, denn von den Esslingern war wenig zu sehen. Marvin Thran traf in Überzahl zum 6:2 – zugleich der Halbzeitstand.

Ein Konter zu Beginn des dritten Abschnitts sorgte für den dritten SSVE-Treffer – Torschütze war Uros Fabic. In Unterzahl kassierte der SSVE das 7:3. Ein schwaches Esslinger Überzahlspiel endete mit einem Abpraller, den sich Konstantinos Sopiadis schnappte und in einer starken Eins-gegen-Eins-Situation zum vierten SSVE-Treffer nutzte. Der erneut gut aufgelegte SSVE-Centerspieler war auch an der nächsten Situation entscheidend beteiligt, als er von Marvin Thran mit einem Pass wie aus dem Bilderbuch in Szene gesetzt wurde und einen Strafwurf erkämpfte, den Marvin Thran zum 7:5 nutzte. Der SSVE war plötzlich wieder in Reichweite.

Doch immer wieder hatten die Esslinger wie eingangs beschrieben nun mit einer hohen Foulbelastung zu kämpfen, so fiel auch das 8:5 erneut in einer Unterzahlsituation. Doch sie ließen sich davon nicht beirren und bewiesen Moral. Der angeschlagene Uros Fabic erkämpfte sich das einzige Überzahlspiel des SSVE im letzten Viertel und verwandelte selbst zum 8:6. Die Hannoveraner agierten nun zunehmend nervös, verloren in Überzahl den Ball und Zoran Bozic erkannte die Situation blitzschnell und konterte zum 8:7. Ein weiterer Konter zu Beginn der 28. Spielminute brachte den 8:8-Ausgleich als Zoran Bozic auf Konstantinos Sopiadis passte und dieser verwandelte. Es war nun ein offener Schlagabtausch. In doppelter Unterzahl blockten die Esslinger gleich drei Schüsse hintereinander, doch im eigenen Angriff wollte dem SSVE kein Tor mehr gelingen. Stattdessen gelang den Niedersachsen zweieinhalb Minuten vor dem Spielende aus dem Rückraum der Siegtreffer. Zwei weitere Unterzahlspiele auf Seiten der Esslinger sowie zwei Auszeiten brachten keine Änderung am Ergebnis.

Dass es gegen die Profis von Waspo 98 Hannover für den SSVE nichts zu holen geben würde, stand von vorneherein fest. Dennoch wollten sie sich nicht ergeben, sich wehren und mutig dagegenhalten, was ihnen nur eine Halbzeit gelang. SSVE-Talent Boris Tepic hütete vier Viertel lang das Tor und konnte mit einigen guten Paraden überzeugen. So konnte der 17jährige gleich den ersten Wurf von der Centerposition entschärfen. Dennoch gingen die Gastgeber schnell mit 2:0 in Führung, ehe der SSVE in Person von Miklos Barothy ein Überzahlspiel zum 2:1 verwerten konnte. Nach zwei weiteren Waspo-Toren zeigte sich auch die kämpferische Einstellung des mit 16 Jahren jüngsten SSVE-Spielers an diesem Tage, als Marko Zemun zunächst zwar den Ball verlor, sich aber umgehend zurück erkämpfte und selbst zum 4:2 traf. Bis zur ersten Pause kassierten die Esslinger zwei weitere Unterzahl- sowie einen Strafwurftreffer.

Zwei weitere Überzahltreffer ließen den Vorsprung der Gastgeber auf 9:2 anwachsen, ehe ein schöner Treffer von Hannes Rothfuß für das dritte SSVE-Tor sorgte. Ein von Miklos Barothy erkämpfter Strafwurf wurde von Zoran Bozic zum 10:4 verwandelt. Der Juniorennationalspieler sorgte auch für den 10:5-Halbzeitstand, als er eine Kontersituation auf Zuspiel von Hannes Rothfuß nutzen konnte. 

Für die Esslinger Wasserballer war der Halbzeitstand absolut hinnehmbar, war der Champions League-Teilnehmer doch mit all ihren internationalen Top-Spielern angetreten, dagegen pausierte auf Esslinger Seite der angeschlagene Marvin Thran und für den ebenfalls nicht ganz fitten Uros Fabic war nach 12 Minuten bereits Schluss. Die Gastgeber fanden offensichtlich in der zweiten Halbzeit den Spaß am Toreschießen, während die Gegenwehr schwand, weshalb man beim SSVE lieber den Mantel des Schweigens über Abschnitt drei und vier hüllen möchte. Hannes Rothfuß fand dennoch eine Einschätzung: „Die erste Hälfte war in Ordnung. Die zweite gibt nicht viel Positives her. Wir haben aufgehört, dagegen zu halten und vor allem waren wir nicht bereit, im Eins-gegen-Eins dagegenzuhalten. Und dann ist es natürlich schwer, gegen so eine Mannschaft zu bestehen.“

Für die Esslinger Wasserballer geht es nun in eine lange spielfreie Pause. Erst Anfang Februar steht das nächste Punktspiel auf dem Programm. Die Mannschaft wird die Zeit nutzen, um mit dem neuen Trainerteam weiter an den neuen taktischen Vorgaben zu arbeiten. Mit einem Sieg aus neun Spielen ist der bisherige Saisonverlauf mit Sicherheit als enttäuschend zu bezeichnen. Jedoch bedeuten drei Ein-Tor-Niederlagen auch, dass der SSVE mit der direkten Konkurrenz auf Augenhöhe ist, die Köpfe nicht in den Sand zu stecken braucht und in der Rückrunde noch einiges möglich ist.

Für den SSV Esslingen im Einsatz waren:

Boris Tepic (Torwart), Marko Zemun (1 Tor am Samstag/0 Tore am Sonntag), Hannes Rothfuß (1/0), Valentin Finkes (0/1), Miklos Barothy (1/0), Uros Fabic (0/2), Simon Rehm, Marvin Thran (0/2), Linus Orszulik, Kende John, Zoran Bozic (2/1), Konstantinos Sopiadis (0/2), Predrag Spasojevic (Torwart)

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